Was ein Mähroboter im Jahr wirklich kostet: meine Abrechnung nach einer Saison
Über den Anschaffungspreis reden alle, über die Folgekosten fast niemand. Dabei ist das die Zahl, die am Ende zählt – ein Gerät kauft man einmal, betreiben muss man es jedes Jahr. Ich habe deshalb vergangene Saison mitgeschrieben: jeden Beleg in einen Umschlag an der Schuppentür, dazu einen Zwischenzähler an der Steckdose der Ladestation. Nichts Wissenschaftliches, aber ehrlicher als jede Schätzung. Hier steht, was dabei herausgekommen ist.
Damit die Zahlen einzuordnen sind, vorweg der Rahmen: knapp 1.400 Quadratmeter Rasen ums Haus, hängig, steinig, Betrieb von Anfang April bis Ende Oktober, Gerät läuft an sechs Tagen die Woche tagsüber. Auf einer ebenen Stadtfläche von dreihundert Quadratmetern kommen andere Zahlen heraus – vermutlich deutlich niedrigere.
1. Der Strom: die Überraschung war, wie klein sie ist
Mit dieser Position habe ich mich am meisten getäuscht, und zwar nach oben. Ich hatte ein Gerät im Kopf, das den halben Tag fährt und entsprechend zieht. Der Zwischenzähler sagte etwas anderes: Über die ganze Saison standen am Ende rund 42 Kilowattstunden auf der Uhr.
Beim Strompreis, den wir gerade zahlen, sind das etwa 14 Euro für sieben Monate. Zwei Euro im Monat. Zum Vergleich: Unsere Gefriertruhe im Keller frisst das in gut zwei Wochen. Wer beim Thema Mähroboter über die Stromkosten diskutiert, diskutiert über die falsche Position – die Rechnung wird woanders gemacht.
Eine Einschränkung gehört dazu: Die Ladestation zieht auch im Bereitschaftsbetrieb etwas, und das läuft bei uns durch. Das steckt in den 42 Kilowattstunden mit drin. Wer das Gerät im Winter samt Station hereinholt, was ohnehin sinnvoll ist, spart die fünf Monate Bereitschaft gleich mit.
2. Die Schneiden: der größte Posten im laufenden Betrieb
Und hier wird es dann interessant. Auf unserem Boden halten die Schneidwerkzeuge nicht lange – Sand vom Weg, kleine Steine, die der Frost jedes Frühjahr nach oben schiebt, dazu die Zapfen von den Fichten am Rand. Ich habe vergangene Saison fünfmal gewechselt, im Schnitt also alle sechs Wochen. Ein Nachbar mit gepflegter, steinfreier Fläche kommt mit zweimal im Jahr aus; das ist der Unterschied zwischen Landfläche und Rasen.
Über die Saison sind bei mir rund 45 Euro für Schneidwerkzeuge zusammengekommen. Zwei Dinge habe ich dabei gelernt. Erstens lohnt es sich, gleich einen Vorrat anzulegen statt jedes Mal einzeln nachzubestellen – nicht des Preises wegen, sondern weil sonst immer dann nichts da ist, wenn man Zeit hätte. Zweitens ist es teurer, zu lange zu warten: Wer mit abgenutzten Schneiden weiterfährt, belastet Antrieb und Mähteller stärker, und der Rasen sieht schlicht schlechter aus. Die zehn Euro, die man beim Aufschieben spart, holt man sich an anderer Stelle wieder ab.
3. Das, was einmal im Jahr fällig wird
Neben den Schneiden gab es drei Positionen, die keine Routine sind, aber eben doch anfallen:
- Ein Rad: Das Profil des angetriebenen Hinterrads war nach zwei Saisons hangabwärts blank. Am Hang bedeutet das Durchdrehen und braune Spuren im Gras. Ersatz: rund 30 Euro für den Satz.
- Ein Stück Begrenzungskabel plus Verbinder: Der Klassiker, wenn im Frühjahr gegraben wird. Materialkosten unter 15 Euro, der eigentliche Preis war der halbe Nachmittag Suche.
- Der Mähteller: Nicht getauscht, aber inzwischen auf der Liste. Nach zwei Saisons auf unebenem Grund hat er sichtbar Schläge abbekommen. Wenn er dran ist, kostet er je nach Modell zwischen 25 und 50 Euro.
Zusammen mit den Schneiden lande ich damit für die Saison bei rund 100 Euro Material plus 14 Euro Strom. Rechnet man den Mähteller anteilig dazu und legt ein Polster für Unvorhergesehenes drauf, sind wir bei etwa 130 bis 150 Euro im Jahr. Das ist die Zahl, mit der ich inzwischen plane.
4. Der Akku: der Posten, den man verdrängt
Bisher habe ich nur über Kleinkram geredet. Die eigentliche Position steht aber noch aus, und sie kommt bei jedem irgendwann: der Akku. Er altert mit jedem Ladezyklus, und auf einer großen Fläche kommen viel mehr Zyklen zusammen als im Stadtgarten. Was das für die Haltbarkeit bedeutet, kann ich noch nicht aus eigener Erfahrung sagen – unser Gerät ist dafür schlicht nicht alt genug, und ich schreibe hier ungern ab, was andere behaupten.
Was ich sagen kann: Wer die Angaben der Hersteller und die Erfahrungen aus dem Bekanntenkreis nebeneinanderlegt, landet bei einer Größenordnung von einigen Jahren, bevor die Laufzeit spürbar nachlässt. Der Ersatz kostet dann je nach Gerät irgendwo zwischen 80 und 200 Euro. Umgelegt auf die Jahre dazwischen sind das grob 30 Euro pro Saison, die man ehrlicherweise mit einrechnen sollte. Wichtiger als die genaue Zahl ist die Frage, die ich vor jedem Kauf stellen würde: Ist der Akku überhaupt wechselbar, und bekommt man ihn in fünf Jahren noch? Ein Gerät, bei dem der Akku fest verbaut ist, ist mit dessen Ende ein Fall für den Wertstoffhof – und das ist dann die teuerste Position von allen.
5. Die Gegenrechnung: was das alte Gerät gekostet hat
Damit die Zahlen einen Sinn ergeben, muss man sie gegen etwas halten. Vor dem Roboter habe ich dieselbe Fläche mit dem Benziner gemäht, und der war alles andere als gratis: Sprit für die Saison, jedes Frühjahr Öl, Kerze und Luftfilter, alle paar Jahre ein Messer und irgendwann die Reparatur, die man beim alten Gerät nur widerwillig zahlt. Zusammengerechnet lag ich damit in einer ähnlichen Größenordnung wie jetzt beim Roboter – vielleicht sogar etwas darüber.
Der eigentliche Unterschied steht ohnehin nicht auf den Belegen. Der Benziner hat mich von April bis Oktober jede Woche gut eine Stunde gekostet, meist an einem Samstag, an dem es anderes zu tun gegeben hätte. Diese Stunden sind das, was der Roboter tatsächlich einspart, und wer sie mit irgendeinem Stundensatz bewertet, macht jede Materialrechnung zur Fußnote. Deshalb sage ich, wenn mich jemand fragt: Der Roboter rechnet sich nicht über die Betriebskosten. Er rechnet sich über die Samstage.
6. Womit man realistisch planen sollte
Wer vor der Anschaffung steht und eine Hausnummer für die laufenden Kosten sucht, kann sich an dieser Rechnung orientieren:
- Strom: 10 bis 20 Euro im Jahr, bei kleinen Flächen deutlich weniger. Kein Argument in keiner Richtung.
- Schneidwerkzeuge: auf gepflegtem Rasen 15 bis 25 Euro, auf steinigem Landboden das Doppelte bis Dreifache. Das ist der Posten, den der Untergrund bestimmt.
- Verschleiß und Kleinteile: etwa 30 bis 50 Euro pro Jahr im Schnitt – manche Saison null, dann kommen zwei Positionen auf einmal.
- Akku-Rücklage: rund 30 Euro pro Jahr zur Seite legen, dann tut der Tag nicht weh, an dem er fällig wird.
Unterm Strich also grob 100 bis 150 Euro im Jahr für ein Gerät auf einer Landfläche. Das ist überschaubar, aber es ist eben nicht null – und wer beim Kauf den Preis des Geräts sieht und die Folgekosten ausblendet, wundert sich im dritten Jahr. Auf dem Land kennt man das ja von jeder Maschine: Der Kauf ist das eine, der Unterhalt das andere, und ehrlich ist nur, wer beides zusammen betrachtet.
← Zurück zu allen Beiträgen